Gschichtn aus dem Hausruckwald 

Entstehung

Das folgende Text ist anlässlich eines Betriebsausfluges im Jahr 2000 entstanden. Ich habe meine Arbeitskolleginnen und -kollegen über die Geschichte meiner Heimat informiert. Ich bin kein Historiker, aber doch an Geschichte interessiert. Die Informationen folgen im wesentlichen der herkömmlichen Weise, wie die Geschichte der Gegend erzählt wird. Nur folge ich bezüglich der Zeit von ca. 700 - 1000 den Thesen von Heribert Illig (Wer hat an der Uhr gedreht, München 1999). Es handelt sich dabei um erfundene Zeit. Für mich ist einfach nicht glaubwürdig, dass zum Beispiel Trier am Gründonnerstag 882 schwer zerstört worden ist, wenn in der Architektur der Stadt keine Spuren dafür vorhanden sind. Für nähere Details informiere man sich bei Heribert Illig. 

G'schichten aus dem Hausruckwald

Geschichte des Hausruck-Waldes:
Vorwort:
Geologie
Von den ersten Menschen in der Gegend bis zu den Kelten und Römern
Die dunklen Zeiten
Fragen und Überlegungen zur Besiedelung
Wurzeln österreichischer Identität im Mittelalter
Das 15. Jahrhundert
Die Bauernkriege
Die Gegenreformation und weiteres
Kohle
1779 bis zur Zwischenkriegszeit
Der Krieg und die Zeit danach
G'schichten
Sepp Steiner
Schloss und Schlossmühle Innersee
Wirtshäuser
Schmieden
Quellen

Geschichte des Hausruck-Waldes:

Vorwort:

Anläßlich eines Betriebsausfluges habe ich meine Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen durch meine ursprüngliche Heimat geführt. Mir war es dabei ein Anliegen, die Geschichte dieser Gegend zu erzählen. Dazu habe ich diese Vorbereitung geschreiben. Im Lesen denke ich, dass ich manches hätte besser ordnen können. Sicher gibt es noch viel mehr an Quellen und mehr zu erzählen, aber ich habe es dabei belassen, denn einerseits soll es keine Geschichtsvorlesung werden - schließlich bin ich kein Historiker, andrerseits zeugt das vorliegende Dokument von der lebendigen Auseinandersetzung, die beim Niederschreiben passiert ist.
zum Inhalt

Geologie

Im Pliozän (Ende Tertiär) war Mitteleuropa von einem Meer bedeckt (Haifischzähne in Pram). Das Meer zieht sich zurück (Das schwarze Meer ist ein Rest davon.) und in der Hausruckgegend entstehen Wälder, die von anderen Schichten bedeckt werden und durch Trockendestillation zu Braunkohle werden. Im Hausruck gibt es zwei Schichten (Flöze) von Kohle, dazwischen ist Tegel (Schlemmsand, Ton, Schlier) und darüber Schotter aus den Alpen (Gneis, Quarzit, Konglomeratgestein). So haben wahrscheinlich eiszeitliche Gletscher den Hausruck geformt (Den Schotter hintransportiert und das Umland abgeschliffen.) zum Inhalt

Von den ersten Menschen in der Gegend bis zu den Kelten und Römern

Der früheste Fund in OÖ wird auf die Zeit von etwa 65.000 - 30.000 vor Christus datiert: Werkzeuge in der Ramesch-Höhle im Totengebirge. Die Datierungen sind sehr weit. Wahrscheinlich kam es auch zu Klimaschwankungen, die die Besiedelung beeinflussten.

"Die urgeschichtlichen Siedlungslandschaften Österreichs sind durch den Gegensatz von Gebirge und offenen Gebieten charakterisiert. Das Gebirge bleibt in der Steinzeit im wesentlichen noch unbesiedelt. Jungsteinzeitliche Siedlungslandschaften liegen vornehmlich im Hügelland im nordöstlichen Niederösterreich, im Wiener Becken und nördlichen Burgenland, in der Grazer Bucht und im Salzburger Becken. In Oberösterreich sind einzelne Siedlungsgebiete im Einzugsbereich von Enns und Traun, am Inn und im Mühlviertel. In der Jungsteinzeit (5000 - 1800 v. Chr.) prägt sich die Donauländische Kultur und eigenständig die Mondseekultur aus." (Putzger Lendl)

Auch in der Gegend von Haag gibt es einzelne kleine Funde aus der Steinzeit (Geboltskirchen, Pram).

In den Metallzeiten (Bronzezeit, Hallstattzeit u. La Tènezeit) entstehen im Gebirgsraum durch Ausbeutung von Bodenschätzen Wirtschafts-landschaften: In der Bronzezeit in der Grau-wackenzone in Salzburg und Tirol (Kupfer), in der Eisenzeit in Hallstatt u Hallein (Salz) sowie im Klagenfurter Becken (Eisen). Gleichzeitig entwickeln sich Fernhandelswege.

In der Bronzezeit (1800 - 800 v. Chr.) finden sich in OÖ die Atterseekultur und Hügelgräber und Urnenfelderkultur.

In der älteren Eisenzeit (ca 800 - 400 v. Chr) ist die Zeit der Hallstattkultur. Um 400 v. Chr kommt es zur keltischen Einwanderung aus dem Westen; im 2. Jahrhundert erfolgt der Zusammenschluss zum Königreich Noricum.

Um ca. 15 nach Christus besetzen die Römer Noricum und errichten Grenzschutzkastelle.

191 n. Chr. wird das Legionslager Lauriacum/Lorch. 212 erfolgt die Erhebung zum 2. municipium neben Ovilava/Wels (spätere Hauptstadt der Provinz Ufernoricum)

Zur Römerzeit führt eine römische Straße von Wels zum Inn (Spuren sind nördlich von Peuerbach zu besichtigen. War das in der Steinzeit bereits ein Handelsweg?

304 Tod des hl. Florian in der Enns bei Lauriacum.

482 Tod des hl. Severin, des Apostels von Noricum. In diesem Jahr wurde auch die romanische Bevölkerung aufgefordert, sich nach Binnennoricum zurückzuziehen. zum Inhalt

Die dunklen Zeiten

In der Zeit zwischen 614 und 911 gibt es keine archäologischen Funde und die Geschichte, die erzählt wird ist so phantastisch, dass sie kaum so stattgefunden haben kann. Außerdem hat Gregor der Große bei Kalenderreform genau so viel weniger Tage eingefügt, als ob diese 297 Jahre nicht existiert hätte.

Die Geschichten aus dem Frühmittelalter sind so wahrscheinlich Geschichten, mit denen jemand seine Rechte und Ideen begründen wollte.

In dieser Zeit gab es die Gründung der Klöster Mondsee und Kremsmünster durch die bayerischen Herzöge Odilo und Tassilo III. Karl der Große herrscht über ein Riesenreich. Kirche und Reich blühen auf in der karolingischen Renaissance und verlieren sich wieder in dunklen Zeiten, in denen das Wissen wieder zurückfällt in die Zeit um 600.

Erstaunlich ist die Angelsächsische Mission. Bonifatius, der 754 in Dokkum an der Nordsee ums Leben gekommen sein soll, soll 739 in Süddeutschland gleich 4 Diözesen reformiert oder gegründet haben (Passau, Regensburg, Freising und Salzburg).

Im 8. Jhdt. kommen die Awaren, von denen sehr wenig bekannt ist. Es wird erzählt, dass am Hausruck Aussichtspunkte und Verstecke waren. Möglicherweise ist die Erzählung von den Awaren eine Spiegelung der Auseinandersetzung mit den Magyaren. Die Ungarn haben auch immer wieder den Bayern das Land abgenommen haben.

In die dunklen Zeiten fällt die 1. Erwähnung von Wallern: 815.

Interessant ist auch die Geschichte von Vöcklabruck: Die Chronik erzählt, dass 824 Vöcklabruck zum ersten Mal erwähnt wurde. "Mehr als dreihundert Jahre vergehen bis zur nächsten urkundlichen Nennung.": 1134. Auch bei Wallern findet sich ein ähnlicher Zeitensprung. Angenommen beide Urkunden stimmen, nur in der ersten wird die alte Zeitrechnung und in der zweiten die neue verwendet, dann vergehen nur 13 Jahre und das erste Zeugnis fügt sich in die Geschichte des 12. Jahrhunderts.

Die Synode von Mistelbach bei Wels, die zw. 971 und 991 datiert wird, schreibt nieder, wer an wen etwas zu zahlen hat. Dabei wird z. B. Steyr erwähnt. Spannend wäre zu wissen, wo sich da wer getroffen hat. Mistelbach ist heute ein kleines Dorf.

Waizenkirchen spricht von einer Frühen Besiedelung (7. 8. Jhdt.), die sippenweise im Einzelhof und Hubensystem erfolgte und gegen Ende des 9. Jhdts soll es zur Dorfbildung gekommen sein. zum Inhalt

Fragen und Überlegungen zur Besiedelung

482 wurde angeordnet, dass die romanische Bevölkerung aus Noricum abziehen soll. Ich kann mit aber nicht vorstellen, dass alle - so wie die Oberschicht - der Severin angehörte, einen Bezug zum Süden hatten. Wenn heute die Kroaten nach 500 Jahren Siedelung im Burgenland noch Kroatisch sprechen, gab es da nach 500 Jahre nicht auch noch keltisch sprechende Urnoricer? Sind nicht doch ein paar Römer zurückgeblieben? Und von den Germanen im Norden, die nicht - wie die Vandalen und die Goten nach Süden gezogen sind, sind da nicht welche da geblieben? Ich denke, diese Fragen sind mit ja zu beantworten. Woher kommen die Bayern wirklich? Eine Theorie besagt, dass sie vom Schwarzen Meer kommt. Die Etymologie sagt, dass Bayern - aus Böhmen kommend bedeutet.

Natürlich brach mit dem Abzug der Römer die römische Verwaltung und die schriftliche Überlieferung zusammen, natürlich wird es Plünderungen gegeben haben und die dünne Besiedelung noch mehr dezimiert haben, aber einige sind geblieben und nachdem es im 7. Jahrhundert wieder etwas ruhiger wurde, wird sich die Bevölkerung vermehrt haben und im 8. = 11. Jahrhundert war die Bevölkerung so angewachsen, dass neues Land benötigt wurde, so kam es zu den Rodungen des 11. und 12. Jahrhunderts, der unser Land einige Namen verdankt: Roitinger, Roither, Plasser, Rottenbach, Freyung, Roith, ... . Das bedeutet auch, dass bis dahin das Land von Wald bedeckt war.

Und da ist Haag ein Vorposten: Gegründet von den Herren von Steyr, die damit markierten: Das ist unser Einflussbereich! Die Besiedelung allerdings entwickelte sich nach und nach flussaufwärts. So dürfte Niedernhaag vor Haag gegründet worden sein. Dafür spricht auch, dass Haag lange teil der Großpfarre von Hofkirchen war, dann Teil der Pfarre Rottenbach, später ein eigenes Vikariat und schließlich erst im 19. Jhdt. zur eigenständigen Pfarre wurde.

Grieskirchen wird urkundlich erstmals 1075 erwähnt.

Die Zeit der Besiedlung ist schwer nachzuvollziehen. Es gibt aus den schriftlichen Quellen die Bezeichnungen, Noricum, Bayern, die drei Grafschaften, Österreich für unterschiedliche Regionen und zudem halten manche die Karolingische Mark für eine auch regional andere als die ottonische.

Wenn das Land (vor 1000) für die Bayern so interessant gewesen wäre, hätte es Ostarrichi (die Babenberger) nicht so leicht gehabt in der Zeit von 1156 bis 1300 das Gebiet bis zum Hausruck zu erwerben. Andrerseits werden sowohl aus der Karolingischen als auch der ottonischen Zeit Geschichten über eine Entmachtung der bayrischen Herzöge erzählt.

Die Chronik von Ried meint, dass vorher das Land OÖ aus unterschiedlichen Herrschaften ohne Obrigkeit bestand.

Dass ein bayrischer Einfluss da war, ist unbestritten: Eferding erscheint in einer Urkunde von 1075 unter der Grundherrschaft der Bischöfe von Passau. Allerdings werden die Zeugnisse der Besiedelung auch erst im 12. Jhdt häufiger. Möglicherweise ist die Rede von der "bayrischen" Besiedelung auch eine Erzählung, die Herrschaftsansprüche sichern wollte. Erst 1379 konnte man sich auf eine bayrisch-österreichische Grenze einigen, aber erst seit 1779 hält diese Vereinbarung. Es wäre einmal spannend, die historischen Quellen chronologisch nach ihrer Entstehung zu ordnen und die Botschaften als politische Aussagen (Wir wollen zu den Bayern oder wir wollen zu den Babenbergern) zu analysieren. Es scheint während der Bauernkriege eher eine breite Ablehnung der Bayern gegeben zu haben - vielleicht hat man sich nach der toleranten Herrschaft von Maximilian III. gesehnt. Während bei der Invasion der Bayern 1741 die Landstände sich darüber eher gefreut haben. Aber aus der historischen Distanz scheint die Komplexität noch schwerer zu erfassen als beim Einmarsch Hitlers.

Im Innviertel dürfte es einige Mönchssiedlungen gegeben haben: Zell, Hohenzell, Waldzell. Quelle von schriftlichen Zeugnissen ist das Stift Reichersberg, das ab 1140 von Riedern spricht. Allerdings dürfte im heutigen Stadtkern damals noch Sumpf gewesen sein (deshalb der Name Ried).

Mitte des 13. Jhdts. ist Ried bayrisch. Möglicherweise wurde das Innviertel später und vielleicht noch mehr von Westen her besiedelt. Sprachlich ließen sich zum Beispiel in Pram lange die Unterschiede zwischen Inn- und Hausruckviertel erkennen. Die westlichen Pramer waren mehr nach Ried orientiert und bevorzugten den Innviertler Vierseithof. Die östlichen Pramer waren nach Haag orientiert und bauten ihre Häuser im Hausruckviertler Stil.

Die Geschichte erinnert etwas an den Wilden Westen. Die Leute zogen in die Wälder und schlagen Holz. Es gibt einzelne Herrschaften, die sich ihre Burgen bauen. Die Besiedelung organisiert sich von selbst.

Die Herrschaft von Starhemberg war eine regionale Größe. Hans der Innerseer wird im 12. Jahrhundert als Lehensmann der Starhemberger genannt. Die Gerichtsbarkeit wurde von Starhemberg zu Beginn bis Marchtrenk ausgeübt und im Laufe der Zeit immer mehr beschnitten, bis sie nur mehr den heutigen Gerichtsbezirk Haag umfasste.

Je mehr ich mich in die Geschichte dieser frühen Zeit vertieft habe, umso schwieriger wurde es für mich, sie zu fassen. zum Inhalt

Wurzeln österreichischer Identität im Mittelalter

Da das Ried des 16. Jahrhunderts eine Identitätsstiftende Geschichte aus dem Kreuzzugszeitalter bezieht, weise ich auf diese und eine zweite Geschichte hin:

Dietmar von Ried hat bei der Schlacht um Jerusalem, seinen Bundschuh auf die Lanze gesteckt - nachdem die eigene Fahne verloren ging, woraufhin es die Kreuzritter wieder Mut fassten und eine Unzahl von "Feinden" umbrachten" und Jerusalem eroberten.

Das österreichische Wappen geht ja auch auf die Kreuzzüge zurück, wo der Babenberger-Herzog so viele Feinde erschlagen hat, dass sein Hemd ganz rot war, nur der Bereich, der vom breiten Gürtel geschützt war, war weiß geblieben. So kommen "wir" zu unserem Wappen: Ein Hemd voller Blut! (Der "edle" Charakter zeigt sich auch darin, dass der Waffenbruder Richard Löwenherz später in der Wachau in den Kerker geworfen wird und nur gegen Lösegeld frei kommt.) zum Inhalt

Das 15. Jahrhundert

1379 wird die Grenze zwischen Oberösterreich und Bayern festgelegt. (Beurkundet auf der Burg Ried für die Bayern und auf Starhemberg für die Österreich). Bis dahin gibt es einigen Streit und Kampf . Durch den Frieden profitiert die Bevölkerung. Zünfte entwickeln sich. Flachsbau und Leinenproduktion und -handel entstehen. Im 15. Jhdt. kann sich die Gegend etwas entwickeln. In Ried und Eferding werden neue Märkte erlaubt. Der Handel gedeiht. Die Besiedelung muss nach wie vor relativ dünn gewesen sein. Linz und Salzburg hatten um 1500 unter 10.000 Einwohner. zum Inhalt

Die Bauernkriege

Im 16. Jhdt. kommt es mit der Reformation zu neuen Konflikten. Ab 1520 verbreitet sich der Protestantismus in OÖ. Zusätzlich kommen von Südosten die Türken.

Die ersten Auseinandersetzungen mit den Bauern bleiben noch relativ friedlich. Aus 1525 wird aus Vöcklabruck ein Bauernaufstand berichtet, für den die Bauern relativ glimpflich bestraft wurden - im vergleich zur späteren Geschichte: Sie mußte jährlich 12 Kreuzer an den Erzherzog zahlen.

1528 wurden 8 Wiedertäufer hingerichtet.

Sonst wurden die Leute eher protestantisch. Es gab einmal 80% Protestanten in OÖ. Kaiser Maximillian II. (1564 - 1576) war relativ tolerant.

1620 verloren die Protestanten auf dem weißen Berg bei Prag gegen Kaiser Ferdinand II. Der bayrische Herzog Maximilian I. hat als Preis für das Bündnis mit dem Kaiser das Land ob der Enns als Pfand erhalten. Adam Graf Herberstoff wird für die Pfandherrschaft bis 1628 als Statthalter eingesetzt. Er wohnt auf Schloss Tollet.

Er führt die Gegenreformation durch. In allen Kirchen wird katholischer Gottesdienst gehalten - teilweise unter dem Schutz von Soldaten. (Später müssen die Leute auch jedes Jahr Beichtzettel vorweisen).

Die Leute (Bauern) ließen sich das nicht gefallen. So statuierte Graf Herberstorff ein Exempel: Auf dem Haushamer Feld bei Frankenburg würfelten paarweise 34 Bauern um ihr Leben. 17, die verloren, wurden gehängt. Die anderen durften gehen.

Die Bauern wollten sich das nicht gefallen lassen. Stephan Fadinger und Christoph Zeller, beide aus St. Agatha, berieten miteinander die Vorgangsweise. Aus jedem Bauernhof sollte einer sich bereit erklären, mitzukämpfen. Und alle sollte bis zu einem verabredeten Zeitpunkt warten. Als allerdings in Lembach bayrische Soldaten ein Pferd stehlen wollten, schlugen die dortigen Bauern zurück und im ganzen Land begann der Aufstand. Stefan Fadingers Ausspruch: "Es muaß sein!" wird in diesem Zusammenhang erzählt. In Starhemberg wurde die Waffenkammer aufgebrochen. In der Weiberau (bei Weibern) wurden Waffen gesammelt.

Schloss Innersee wurde von der Bauern eingenommen. Anfänglich hatten die Bauern Erfolg. Den ersten Sieg auf der Lederer Wiese bei Peuerbach konnten sie erringen: Städte wie Steyr und Freistadt wurden eingenommen.

Herberstorff holte seinen Schwiegersohn Graf Pappenheim und dessen Soldaten. Auf Dauer konnten die Bauern gegen die gut ausgebildeten Soldaten nicht ankommen. Bei der Belagerung von Linz wurde Fadinger bei einem Inspektionsritt von einem Scharfschützen getroffen. Er starb an der Verletzung.

Zwischen Haag und Pram am Schulterberg fand der letzte Sieg der Bauern in diesem Krieg statt.

Die Bauern errichteten bei Schloss Neuhaus eine Sperre der Donau. Allerdings war sie schlecht bewacht, als Schiffe mit 304 bayrischen Musketieren mit Geschützen und Munition nach Linz durchbrachen. In Linz starb Fadingers Nachfolger Christoph Zeller, als die Bauern die Landung der Truppen stören wollte. Der erste Schuss der Bayern traf ihn ins Herz.

Der 3. Bauernführer Achaz Willinger konnte keinen Kampf gewinnen.

Am 18. 11. 1626 gewinnen die Pappenheimer auch in der Vöcklabrucker Gegend über die Bauern: 600 tote Bauern sind das Ergebnis. Sie gewinnen auch in Pinsdorf bei Gmunden und in Wolfsegg. Die letzte Schlacht fand im Emlinger Holz bei Eferding statt. Am 29. 11. 1626 war die Schlacht zu Ende. Dort fanden 3000 Bauern den Tod und viele kamen dann noch in den Donauauen ums Leben.

Ein 4-jähriger Sohn von Stefan Fadinger war in Eferding im Friedhof beerdigt. Der wurde ausgegraben und im Wilden Moos mit Christoph Zeller eingescharrt. Hier war der Platz für verendete Tiere. Über dem Grab wurde ein Galgen errichtet.

Am 26. März 1627 wurden die gefangenen Anführer der Bauern in Linz geköpft und gevierteilt.

Während der Zeit des 30-jährigen Krieges, fließt also auch in OÖ viel Blut. zum Inhalt

Die Gegenreformation und weiter

Ein Starhemberger (Erasmus) war protestantisch geblieben und mußte das Land verlassen.

Die Starhemberger hatten Haag schon lange verlassen (Die Starhemberger entstammen einer Seitenlinie des Ottokar von Steyr. Sie nannten sich auch längere Zeit "Herren von Steyr". Legendär gehen sie zurück bis ins 5. Jahrhundert, die erste urkundliche Erwähnung war im Jahre 1440 (?wahrscheinlich 1140)nach dem Bau der Burg Storchenberg oder Stahrnberg bei Haag im Hausruck. In den Jahren 1230 - 1236 nannten sie sich Starhemberg. Die Burg wurde bereits 1379 an Herzog Albrecht von Österreich verkauft.)

Die Gegenreformation bescherte den Kirchen ein neues Gepräge: Es wurde barocke Kirchen gebaut (St. Vitus - Pfarrkirche in Haag, 17. Jhdt.) oder der Bestand barockisiert.

1642 läßt sich in Ried der Kapuzinerorden nieder.

Protestanten müssen auswandern (ab 1624)

1649 bricht in Ried die Pest aus.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam es zu 3 Erbfolgekriegen im Innviertel: Die Bayern überfielen Neumarkt. Die Habsburger schlugen zurück. Ried litt besonders darunter.

1720 - 1732 wurde die Stadtpfarrkirche in Ried gebaut.

1741 wird das Land wieder Kriegsgebiet: bayrische und französische Truppen marschieren ein. Im Gegenzug erorbern die Truppen Maria Theresias 1742 wieder Linz.

1740 - 1780: Maria Theresianischen Reformen: Schulpflicht, Verwaltungsreformen.

1734/35 und 1752 - 56 kommt es zu Zwangsaussiedlungen nach Siebenbürgen. zum Inhalt

Kohle

1765 entdeckt der Schuster Rößlhuber aus Moos bei Grieskirchen am 29. Juli im Hausruck Kohle im Berg. In Gehartskirchen (=heute Geboltskirchen) vermutete man, dass es sich um Steinkohle handelt. 1766 traf eine k. u. k. Expedition ein und untersuchte die Vorkommen. Man schätzte, dass es sich um 30 Millionen Tonnen Kohle handelt. Es wurden Stollen gebaut. Größere Mengen wurden erst ab 1869/1870 abgebaut. Heute gibt es keinen Kohlebergbau im Hausruck mehr. 15 Knappen förderten in der Woche (70 Stundenwoche) 50 Tonnen. Negative Auswirkung des Abbaus: 20 bis 30 Jahre nach dem Abbau war das Trinkwasser der umliegenden Orte nicht genießbar. zum Inhalt

1779 bis zur Zwischenkriegszeit

1779 kommt das Innviertel im Frieden von Teschen an Österreich

1781 (oder 1783) erscheint das Buch "Theresiana", in dem drinnen steht, wie aufgeklärt und ordentlich im Beisein des Arztes gefoltert werden sollte.

1782 reiste der schönste Mann Europas Papst Pius VI nach Wien. Josef der II. durfte nie allein mit ihm sprechen. Seine Ratgeber befürchteten, der Papst könnte Josef zu irgendeinem unbedachten Zugeständnis bewegen.

Auf der Weiterreise nach München übernachtet Pius VI im Schloss Ried.

bis 1783 hat das Bistum Passau die geistliche Regentschaft über OÖ und Teile von NÖ. Josef der II. plant die Errichtung von eigenständigen österreichischen Diözesen. Der Bischof von Passau war sein Erzieher, dem gegenüber er sich loyal verhielt. Der Bischof lag allerdings im Sterben und Josef hatte einen Boten in Passau, der sofort, als er erfuhr, dass der Bischof gestorben war, los ritt, um die Nachricht nach Wien zu bringen, dass der Bischof tot ist. Unmittelbar darauf errichtete Josef die Diözesen Linz und St. Pölten. Der Zeitpunkt war gut gewählt, die Aktion hatte Erfolg.

1810 kommt Napoleon nach Ried und erklärt Ried zum Sitz der provisorischen französischen Regierung und das Innviertel (+Teile des Hausruckviertels) kommt für 6 Jahre wieder zu Bayern. Napoleon übernachtet auch im Schloss Starhemberg ist zufrieden damit, dass so viel Wald in der Gegend ist, dass er und seine Truppen im Spätherbst nicht frieren müssen.

Mein Ururgroßvater muss seine Heirat und den Ehevertrag vom Schloss Starhemberg genehmigen lassen. (1828)

1848 kommt es zur "Bauernbefreiung". Aufhebung der Grundherrschaften; Ende der ständischen Verfassung, Neugestaltung der politischen Verwaltung und der Gerichte; Entstehung der Ortsgemeinden. Es beginnt eine neue Zeit. Grieskirchen gehört zunächst zur BH Ried. Erst 1913 wird die BH Grieskirchen gegründet.

Erst in der zweiten Hälfte des nimmt Ried einen Aufschwung: 1867 ist der Beginn der Rieder Messe.

1871 gibt es in Ried ein Gymnasium.

Im ersten Weltkrieg fallen 22.500 Oberösterreicher. Mein Großvater väterlicherseits kommt nicht in den Krieg: Er hat nur ein gesundes Bein. Trotzdem arbeitet er als Schmied. Seine Brüder leben in den Vereinigten Staaten. Auch sie kommen nicht in den Krieg.
Der Bruder meiner Großmutter mütterlicherseits stirbt 1919 in Albanien 32jährig an Entkräftung.

Die Zwischenkriegszeit ist von Armut und Sparsamkeit geprägt.

Einer hat mir einmal erzählt, dass er illegal als Gymnasiast für die Nazis Plakate geklebt hat. Manche sind erwischt worden, weil sie den Leim unter den Fingernägeln hatten. zum Inhalt

Der Krieg und die Zeit danach.

Im Krieg waren viele Söhne der Bauernfamilien aus der Gegend in Russland. Viele sind auch dort gefallen. Wie geht das, dass sich kaum mehr dagegen wehrt, in den Krieg zu ziehen, große Entbehrungen auf sich zu nehmen? Wer waren im Ort die Obernazis? Wer war eigentlich bei der SS aus dem Ort? Darüber ist mit mir nie geredet worden, aber auch ich habe nie gefragt!
Vielleicht gab es eine stillschweigende Übereinkunft, dass alle aus dem Dorf zusammenhalten müssen in den schwierigen Zeiten. Irgendwie gibt es das heute nach, dass die Männer aus dem Dorf einfach dazugehören! Diesen Zusammenhalt bewundere ich sehr.

Es gab bei einem Nachbarn einen russischen Zwangsarbeiter, denn der Bauer fast erschossen hätte. Die Frau konnte es noch verhindern. Ein Onkel wurde im Krieg vermisst. Am letzten Tag, an dem er gesehen wurde, hat er sich er und mein Vater noch gesehen. Dann marschierte die eine Abteilung nach links und die andere nach rechts. Mein Vater beobachtete noch, wie dort, wo sein Bruder hinmarschiert war, ein Kampf stattfand. Seither hat man nichts mehr von ihm gehört und gesehen. Da sein Tod nie bestätigt wurde, war er immer vermisst. Bei seinem letzten Urlaub hat er mit seiner Freundin ausgemacht, dass sie heiraten werden. Aber daraus ist nichts geworden.
Mein Vater wurde im Kampf verwundet, so dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Er hat auch sein weiteres Leben mit Prothese und einem Bein als Schmied gearbeitet.

Nach dem Krieg war aus meiner Sicht in der Gegend die Landwirtschaft dominierend, es gab auch einige Betriebe, die gediehen, und im Lauf der Jahre wurde es mit der Landwirtschaft wurde immer schwieriger. Die Tradition, die bis in die 70er Jahre herrschte, verlor nach und nach an Einfluss. zum Inhalt

G'schichten:

Zur Gegenwart, zu meiner Lebenszeit probiere ich es gar nicht, Geschichte zu schreiben, sondern viel lieber gebe ich paar Geschichterln zum Besten. Was mir selber einfällt, wenn ich durch Rottenbach spaziere, ist das. Andere würden andere Geschichten erzählen. Das wäre sich auch interessant, das nachzulesen.  zum Inhalt

Sepp Steiner

Ein Gründer, der aus der Landwirtschaft kam und für die Landwirtschaft arbeitete. Steinit war ein Gemisch, das zusammen mit Zement einen warmen Stallboden ergab. Daneben wurden Kunststeinplatten und -stiegen erzeugt, außerdem Fertigteilprodukte für den Stallbau. Ein gut florierender Betrieb mit Beton- und Steinprodukten, den es in der Zwischenzeit nicht mehr gibt.

Auch die Tankstelle, die auch damals errichtet wurde, existiert nicht mehr.

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Schloss und Schlossmühle Innersee

Hans dem Innerseer, ein Lehensmann von Schloss Starhemberg hatte sein eigenes Schloss. Im Bauernkrieg wurde es von aufständischen Bauern eingenommen. Anfang des 20. Jahrhunderts konnten die Leute aus dem Dorf nur bewundernd aufschauen, wenn eine neue Maschine von der Rieder Messe vom Schlossherrn Payrhuber angeschafft wurde.

Payrhuber und seine Frau hatten zwei Töchter. Die eine bekam das Schloss, die andere bekam eine Mühle gleich neben dem Schloss.

Früher war das Schloss ein Wasserschloss, von allen Seiten vom Wasser umgeben. Davon blieb nur mehr ein Teich, der jeden Winter die Eisstockschützen aus dem Dorf erfreute. Das war ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Das Gebäude wurde in den letzten Jahren vom jetzigen Besitzer in mühevolle Kleinarbeit wunderbar renoviert. Heute besteht die Möglichkeit, im Schloss einen Raum und den Garten für Feiern zu mieten, Adi Sickinger serviert die Getränke und seine Frau Hedi sorgt für ein reichhaltiges und wohlschmeckendes bäuerliches Buffet.

Die Mühle stand lange Jahre leer. Zuerst diente sie noch als Lagerstätte für die Firma Knorr, bei der der Müller arbeitete. Heute beherbergt sie das Tonstudio eines Musikers. zum Inhalt

Wirtshäuser:

Ein richtiges Dorf hatte auch ein Wirtshaus. Natürlich waren in Rottenbach zwei, aber auch Innersee hob sich unter den Bauerndörfern durch ein Wirtshaus hervor. Aber die Wirtshäuser haben sich verändert. Früher war es eine Landwirtschaft, verbunden mit einem Gasthaus. Eins ist zum Landgasthaus geworden und setzt neue Akzente. Beim anderen haben die Kinder einen anderen Beruf erlernt: Sie wollten das Wirtshaus nicht weiterführen. Und der dritte hat sich für die Landwirtschaft entschieden.

Neu begonnen hat der Bäcker. Er hat zur Bäckerei ein Kaffee eröffnet und das war ein großer Erfolg. Die Jungen gingen nach oder statt der Kirche gerne zum Bäcker. Jetzt gibt es in Rottenbach wieder einen Nahversorger mit dem Titel: "Land lebt auf!".

Das Schloss bietet sich zum Feiern an. Es ist ziemlich ausgebucht.

Und kürzlich ist mit großem Erfolg ein Imbiss an der Strasse gestartet: die Mechtl-Stubn. zum Inhalt

Die Schmieden:

Früher gab es in der Gemeinde genug Arbeit für fünf Schmieden: Pferde waren zu beschlagen, der Lanewied musste gerichtet werden, Pflugscharen geschärft, Sensen beschafft und Eisenarbeiten gemacht werden. Huf- und Wagenschmied war ein notwendiger Beruf in der landwirtschaftlichen Welt.

Das gibt es jetzt nicht mehr. Zwei haben aufgehört, einer ist auf Metallbau, ein anderer auf die Spenglerei umgestiegen, ein dritter hat angefangen, Schulbus zu fahren. Und heute heute hat sich das Bild noch einmal verändert. zum Inhalt

Quellen:

Putzger, Lendl, Wagner, Historischer Weltatlas zur allgemeinen und österreichischen Geschichte, Wien 48 1972.
http://www.ooe.gv.at: Zeittafeln.
Ortsbeschreibung von Wallern, Haag, Waizenkirchen, Eferding, Ried, Vöcklabruck und Steyr im Internet.
Heribert Illig, Wer hat an der Uhr gedreht. Wie 300 Jahre Geschichte erfunden wurden, München 1999.
Lutz Mackensen, Reclams etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Stuttgart 1966.
Franz Pfeffer, Das Land ob der Enns. Zur Geschichte der Landeseinheit Oberösterreichs [Veröffentlichungen zum Atlas von Oberösterreich (OÖ. Heimatlas) herausgegeben von Institut für Landeskunde von Oberösterreich 3], Linz 1958.

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Stand 11. Mai 2010